Die Stadt Freudenstadt und die Stadt Altensteig stellen gemeinsam mit ihren Stadtwerken die Weichen für die Zukunft. Mit der angestrebten Gründung der Kooperationsgesellschaft bündeln die beiden kommunalen Energieversorger künftig ausgewählte Aufgaben und schaffen damit die Grundlage für eine langfristig leistungsfähige, wirtschaftliche und sichere Daseinsvorsorge im Nordschwarzwald
Deutschlandweit sorgen mehr als 1.500 Stadtwerke für eine zuverlässige Versorgung mit Energie, Wasser und weiteren kommunalen Dienstleistungen. Auch die Stadtwerke Freudenstadt und die Stadtwerke Altensteig übernehmen seit vielen Jahrzehnten Verantwortung für ihre Region. Gemeinsam beschäftigen beide Unternehmen rund 157 Mitarbeitende und bieten ein breites Portfolio an Versorgungs- und Dienstleistungen. Dazu gehört die Versorgung mit Strom, Erdgas, Trinkwasser, Wärme und Telekommunikation. Darüber hinaus betreiben die Stadtwerke Altensteig die örtlichen Bäder, ein Parkhaus und bieten bereits Dienstleistungen in Form von Betriebsführungen sowie Contractingmodellen an und betreiben einen Installationsbetrieb mit einem breiten Angebotsspektrum, insbesondere PV- Anlagen, Batteriespeicher und Ladesysteme für die Elektromobilität. Das Versorgungsgebiet der Stadtwerke Freudenstadt umfasst neben der Kernstadt mit ihren Stadtteilen auch Loßburg, Seewald und Dornstetten, während die Stadtwerke Altensteig die Stadt Altensteig und die umliegenden Ortschaften versorgen. Mit ihrem umfassenden Leistungsangebot tragen beide Unternehmen wesentlich zur Lebensqualität und wirtschaftlichen Entwicklung im Nordschwarzwald bei.
Die Rahmenbedingungen für kommunale Energieversorger haben sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Seit der Liberalisierung des Energiemarktes sind die Geschäftsprozesse deutlich komplexer geworden. Umfangreiche regulatorische Vorgaben der Bundesnetzagentur und der Landeskartellbehörden, steigende Anforderungen an moderne IT-Systeme sowie die fortschreitende Digitalisierung prägen heute den Arbeitsalltag der Stadtwerke.
Gleichzeitig erfordert die Energiewende erhebliche Investitionen in Strom- und Wärmenetze, erneuerbare Erzeugungskapazitäten sowie digitale Infrastrukturen. Hinzu kommen die Auswirkungen der Energiekrise infolge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und weiterer geopolitischer Entwicklungen, die den Energiemarkt in den vergangenen Jahren erheblich beeinflusst haben. Parallel dazu wird die Gewinnung und langfristige Bindung qualifizierter Fachkräfte zu einem immer wichtigeren Erfolgsfaktor.
Vor diesem Hintergrund haben die Stadtwerke Altensteig und Freudenstadt in den vergangenen Monaten verschiedene Möglichkeiten einer vertieften Zusammenarbeit intensiv untersucht. Ziel war es, Synergien zu erschließen, Kompetenzen zu bündeln, gleichzeitig die Eigenständigkeit beider Unternehmen langfristig zu sichern und die Weichen für die Zukunft zu stellen.
Die neue Kooperationsgesellschaft soll künftig zentrale Dienstleistungen für beide Stadtwerke übernehmen. Dazu zählen insbesondere Aufgaben in den Bereichen Netz und Technik, Beschaffung und Vertrieb, Informationstechnologie und Shared Services sowie Dienstleistungen. Durch die Bündelung dieser Aufgaben entstehen effizientere Prozesse, eine höhere Spezialisierung der Mitarbeitenden sowie stabile Vertretungsregelungen bei Urlaub oder Krankheit. Gleichzeitig werden Digitalisierung und Standardisierung weiter vorangetrieben und die Organisation insgesamt widerstandsfähiger.
Für die Kundinnen und Kunden bleibt dabei alles wie gewohnt: Beide Stadtwerke bleiben eigenständige kommunale Unternehmen mit ihren bekannten Marken, ihren Mitarbeitenden, ihren Netzen und ihrer regionalen Verankerung. Die Kooperation dient ausschließlich dazu, die Leistungsfähigkeit beider Unternehmen nachhaltig zu stärken und ihre Zukunftsfähigkeit weiter auszubauen.
Zu den wesentlichen Vorteilen der Zusammenarbeit zählen eine effizientere Nutzung vorhandener Ressourcen, die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit, die Bündelung von Fachwissen, eine höhere Innovationskraft sowie eine weitere Optimierung der Geschäftsprozesse. Darüber hinaus verbessert die Kooperation das Risikomanagement, erhöht die Ausfallsicherheit und eröffnet attraktive Entwicklungsmöglichkeiten für die Mitarbeitenden. Gleichzeitig werden nachhaltige wirtschaftliche Einsparpotenziale erwartet, die wiederum den Unternehmen und ihren Kundinnen und Kunden zugutekommen.
„Die kommunale Daseinsvorsorge steht vor großen Herausforderungen. Umso wichtiger ist es, dass wir als kommunale Unternehmen Verantwortung übernehmen und gleichzeitig neue Wege gehen. Mit der Kooperationsgesellschaft schaffen wir eine starke Grundlage, um die Energieversorgung unserer Region langfristig wirtschaftlich, sicher und zukunftsfähig aufzustellen. Der eingeschlagene Weg ist nur möglich, weil mein Kollege Oliver Valha und ich diese politischen Weichenstellungen gemeinsam mit unseren Gremien vornehmen wollen“, sagt Freudenstadts Oberbürgermeister Adrian Sonder, Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Freudenstadt. „Wir sind dankbar, dass die Leiter beider Stadtwerke diesen Prozess mit voller Kraft gemeinsam gestalten.“
Altensteigs Bürgermeister Oliver Valha ergänzt: „Unsere beiden Stadtwerke verbindet seit vielen Jahren ein gemeinsames Verständnis von kommunaler Verantwortung und Kundennähe. Die Kooperation ermöglicht es uns, Kräfte zu bündeln, Synergien zu nutzen und gleichzeitig die regionale Identität sowie die Eigenständigkeit beider Unternehmen dauerhaft zu erhalten. Davon profitieren unsere Bürgerinnen und Bürger ebenso wie unsere Mitarbeitenden.“
Für Günther Garbe, Technischer Werkleiter der Stadtwerke Altensteig, ist die Zusammenarbeit ein konsequenter Schritt: „Die Anforderungen an Stadtwerke nehmen kontinuierlich zu. Digitalisierung, regulatorische Vorgaben, die Energiewende und der Fachkräftemangel verlangen nach hoch spezialisierten Kompetenzen. Gemeinsam können wir Know-how bündeln, unsere Mitarbeitenden gezielt weiterentwickeln und Prozesse effizienter gestalten. Dadurch schaffen wir die Voraussetzungen, auch künftig leistungsfähig und kundenorientiert zu handeln.“
Florian Weinhardt, Kaufmännischer Werkleiter der Stadtwerke Altensteig, ergänzt: „Die Kooperation eröffnet uns die Möglichkeit, die jeweiligen Stärken beider Stadtwerke gezielt miteinander zu verbinden. Gemeinsam können wir Prozesse effizienter gestalten, Innovationen schneller vorantreiben und unsere Fachkompetenzen noch besser einsetzen.
Gleichzeitig bleibt das erhalten, was kommunale Stadtwerke auszeichnet: die enge Verbundenheit mit der Region und die Nähe zu unseren Kundinnen und Kunden. Damit schaffen wir eine starke Basis, um die Herausforderungen der Energiewende und der Digitalisierung erfolgreich zu meistern.“
Peter Günther, Geschäftsführer der Stadtwerke Freudenstadt, betont: „Mit der Kooperationsgesellschaft schaffen wir Strukturen, die beide Unternehmen nachhaltig stärken. Dabei geht es ausdrücklich nicht um den Zusammenschluss zweier Stadtwerke, sondern um eine intelligente Zusammenarbeit dort, wo sie sinnvoll ist. Unsere Kundinnen und Kunden dürfen auch künftig auf leistungsfähige, regionale Stadtwerke vertrauen, die ihre Versorgung zuverlässig sicherstellen. Gleichzeitig gewinnen wir zusätzliche Handlungsspielräume für Investitionen, Innovationen und die weitere Digitalisierung unserer Unternehmen.“ Ein weiterer Vorteil der neuen Gesellschaft liegt im Zugang zum umfangreichen Beratungs- und Dienstleistungsportfolio der Thüga AG sowie der badenova AG & Co. KG. Dadurch profitieren beide Stadtwerke von einem starken Netzwerk aus Expertenwissen, Erfahrungsaustausch und innovativen Lösungen, ohne ihre kommunale Eigenständigkeit aufzugeben.
Mit der Gründung der Kooperationsgesellschaft wollen die beiden Städte, die Stadtwerke Freudenstadt und die Stadtwerke Altensteig ein klares Zeichen für die Zukunft der kommunalen Energieversorgung setzen. Gemeinsam schaffen sie die Voraussetzungen, um den Herausforderungen der kommenden Jahre erfolgreich zu begegnen und die Versorgungssicherheit sowie die hohe Servicequalität für die Menschen und Unternehmen im Nordschwarzwald dauerhaft zu gewährleisten.
Auch Badenova und Thüga möchten sich als starke und erfahrene Partner aktiv in die neue Kooperationsgesellschaft einbringen. Beide Unternehmen streben eine Beteiligung an der Gesellschaft an und wollen gemeinsam mit den kommunalen Partnern die Energieversorgung der Region zukunftssicher, wirtschaftlich und nachhaltig weiterentwickeln.
Foto: Freuen sich über die Gründung der Kooperationsgesellschaft: Freudenstadts Oberbürgermeister Adrian Sonder mit Altensteigs Bürgermeister Oliver Valha (vorne v.l.) sowie Günther Garbe, Technischer Werkleiter der Stadtwerke Altensteig und Peter Günther, Geschäftsführer der Stadtwerke Freudenstadt (dahinter v.l.)